Dienstag, 2. August 2016

NABU Pressemitteilung

 | NR 50/16 | 29. Juli 2016
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Verwaltungsgericht stoppt Bau der Windkraftanlagen Himmelreich
NABU-Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz wurde stattgegeben
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Düsseldorf : Dem Antrag des NABU auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes im Rahmen der Klage gegen die Errichtung und den Betrieb von 11 Windkraftanlagen im Stadtgebiet von Marsberg hat das Verwaltungsgericht (VG) Arnsberg heute stattgegeben. Damit wurde die aufschiebende Wirkung der sich gegen die Genehmigung des Hochsauerlandkreises richtenden Klage wiederhergestellt, so dass alle baulichen Maßnahmen eingestellt werden müssen. Das VG Arnsberg hat sich dabei entscheidungstragend darauf gestützt, dass die Windenergieanlagen außerhalb der im geltenden Flächennutzungsplan der Stadt Marsberg festgelegten Konzentrationszonen genehmigt wurden. "Auf die vielfältigen Mängel in arten- und habitatschutzrechtlicher Hinsicht, die der Genehmigung des Hochsauerlandkreises anhaften, mussten die Arnsberger Richter daher gar nicht eingehen", erklärte Josef Tumbrinck.

Vorläufig Bauruinen?

Im März dieses Jahres hatte der NABU NRW Klage gegen den Bau von 11 Windkraftanlagen im Stadtgebiet von Marsberg erhoben. Die Planung sei aus immissions-, arten- und landschaftsschutzrechtlichen Gründen nicht zulässig. Bereits im Vorfeld der Antragstellung des Windenergiebetreibers hatten die Naturschutzverbände in ihren Stellungnahmen zur 60. Änderung des Flächennutzungsplans auf den besonderen Wert der für die Errichtung der Windkraftanlagen vorgesehenen Fläche hingewiesen. Diese naturschutzfachlichen Hinweise wurden völlig ignoriert. Da der Bau der 11 Windkraftanlagen vom Hochsauerlandkreis bereits genehmigt wurde, stellte der NABU gleichzeitig Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz.

Die Klage des NABU NRW gegen die 11 Windenergieanlagen erfolgt in enger Abstimmung und mit Unterstützung des Vereins für Natur- und Vogelschutz im Hochsauerlandkreis e.V. (VNV), dem Kooperationspartner des NABU im Hochsauerlandkreis.

Für Rückfragen:
Josef Tumbrinck, Vorsitzender NABU NRW, mobil: 0171 3867379

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf
Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)
Tel. 0211.15 92 51 - 14 | Fax -15 | E-Mail: B.Koenigs@NABU-NRW.de

Montag, 25. Juli 2016

Diesen Artikel muss man gelesen haben

http://www.welt.de/print/wams/article157250713/Sturm-auf-die-Windraeder.html


Welt am Sonntag

TITELTHEMA
Artikel vom 24.07.2016 / Ausgabe 30 / Seite 13

Sturm auf die Windräder

Nach Jahren des Chaos versucht die Bundesregierung, der Energiewende einen Plan zu verpassen. Aber dort, wo der größte Rückhalt nötig wäre, wächst der heftigste Widerstand: Auf dem Land werden Kommunen entmündigt, die Bürgerbeteiligung erweist sich als Farce


Volker Tschischke ist gerade von einer längeren Dienstreise zurück, als die Revolution sein Wohnzimmer erreicht. Irgendetwas ist anders, hat er eben noch gedacht. Nun steht Tschischke am Fenster, sieht über den Dachgiebeln der Nachbarhäuser zwei riesige Windräder und ist einen Moment lang unsicher, ob die neu sind oder er sie bisher bloß nicht bemerkt hat.

Später fällt ihm auf, dass abends in der Küche die wuchtigen Schatten von Windradflügeln über die Wand wischen. Und nach einiger Zeit bemerkt er, dass er bei Ostwind nachts unruhig ist und kaum noch in den Schlaf findet. Auch die Nachbarn sagen, sie hätten oft Ohren- und Kopfschmerzen. Sie machen dafür den Schalldruck der Windkraftanlagen verantwortlich.

Tschischke, 49 Jahre alt, ist Manager einer Technologiefirma. Er glaubt daran, dass Technik den Menschen hilft, ihr Leben besser zu machen. Als die Bundeskanzlerin vor fünf Jahren ankündigte, dass Deutschland aus der Atomenergie aussteigen werde, fand er das richtig. Er hielt es für gut, Strom aus Sonne und Wind zu gewinnen. Er sieht es im Grunde noch immer so, er hat selbst eine Solaranlage auf dem Dach. Aber es gibt doch einen Unterschied. Die Energiewende ist für ihn eine feine Sache, "solange die Windräder von den Wohnsiedlungen wegbleiben".

Das aber tun sie nicht mehr. Etteln, sein Dorf, ist inzwischen umzingelt von Windrädern. Sie haben Tschischke in den Widerstand getrieben. Er hat eine Bürgerinitiative gegründet. Was ihn besonders aufregt: Viele Lokalpolitiker und Behörden, die doch eigentlich im Interesse der Bürger entscheiden sollen, scheinen für die Windkraftfirmen den roten Teppich auszurollen und Leuten wie ihm, um deren Alltag es geht, gar nicht mehr zuzuhören.

Die Energiewende spaltet das Land. In den Metropolen und größeren Städten genießt der Umbau der Stromversorgung große Sympathien. Auf der anderen Seite stehen Menschen, die vor allem an der Küste der Nord- und Ostsee leben, im Vorland des Harzes, in Rheinland-Pfalz, Bayern oder Baden-Württemberg. Sie erfahren die Energiewende nicht mehr als notwendiges nationales Projekt, sondern als zerstörerische Kraft. Sie sehen zunehmend verärgert zu, wie sie entmündigt werden. Wie von ihnen gewählte Politiker in den Stadträten und Kreistagen mit Ökoinvestoren und Landbesitzern gemeinsame Sache machen. Wie Regeln außer Kraft gesetzt werden, einfach so. Und wie auch Gerichte zugunsten der Windkraftfirmen urteilen.

Die Folge ist, dass der Widerstand wächst und die AfD auch deshalb in einigen Landtagen sitzt, weil sie sich im Wahlkampf klar gegen die Energiewende gestellt hat. Die Bundesregierung hat ihren Anteil daran. Sie nannte die Energiewende zwar ein Jahrhundertprojekt, doch man konnte lange Zeit den Eindruck haben, dass jede Dorfkirmes besser organisiert ist. Der Staat schüttete mit dem Füllhorn Fördergelder aus und hielt sich ansonsten weitestgehend heraus. Die Kosten uferten aus, es gab keinen übergeordneten Plan, keine klaren Regeln.

Nun versucht die große Koalition in Berlin, diesen Fehler noch irgendwie zu korrigieren. Der Bundeswirtschaftsminister will
plötzlich den Ausbau der Windkraft drosseln und auch die Förderung für den Windstrom. Und die Bundesumweltministerin hat gerade ein "Kompetenzzentrum" eingerichtet und mit vier Millionen Euro Jahresbudget ausgestattet. Sie will damit "Konflikte der Energiewende entschärfen".

Wenn man verstehen will, wie alles kam und wie verfahren die Lage vielerorts schon ist, dann muss man nur in den Kreis Paderborn fahren. Dort sind die Probleme der Energiewende wie unter einem Brennglas zu beobachten.
Da ist der Manager Tschischke, der jetzt in Widerstand macht.

Da ist sein Nachbar Oliver Dietz, ein Projektentwickler. Er war nach einigen Jahren in Stuttgart in seine Heimat zurückgekehrt, auch wegen der Natur. Jetzt erwägt er, wieder wegzuziehen. "Hier wird ein Lebensraum auf Generationen ruiniert und zerstört", sagt er.

Und da sind Männer wie Hubertus Nolte. Nolte, ein Landwirt, knorrig und mit Haaren wie Drahtwolle, war mal Chef der CDU-Fraktion im Stadtrat von Bad Wünnenberg. Heute steht er der "Gemeinschaft Naturschutz" vor. Um zu zeigen, um was es geht, fährt er mit Besuchern gern hinauf auf die Höhenstraße des Sintfeldes. Wenn er dort oben steht, dehnt sich die Paderborner Hochfläche bis zum Horizont. Er blickt auf mindestens 600 Windräder. Sie reichen bis zu den Höhenzügen des Teutoburger Waldes, sie kriechen jetzt bis auf wenige Hundert Meter an Bauernhöfe und Dörfer heran. Die Gegend ist, unbemerkt vom Rest des Landes, zu einem der Zentren der deutschen Windindustrie geworden. Denn hier herrschen Windverhältnisse wie sonst nur an der Nordseeküste.

Nolte deutet mit dem Finger auf das östliche Sintfeld, auf Kräne. Dort werden gerade 28 neue Anlagen gebaut, 89 weitere sollen noch dazukommen. Am Ende werden auf einem Flecken von 50 Quadratkilometern demnächst 130 Windkraftanlagen stehen, das könnte deutscher Rekord sein. "Alle gucken immer nach Nordfriesland", sagt Nolte. "Aber der Punk geht eigentlich hier ab." Das gilt längst auch für die Art, wie Befürworter und Gegner der Energiewende einander bearbeiten. Im Stadtrat, vor Gericht oder auf einer der vielen Informationsveranstaltungen.

Reiner Allerdissen hat an diesem sonnigen Junimorgen besonders schlechte Laune. Er ist Bürgermeister der Gemeinde Borchen, zu der auch Tschischkes Dorf Etteln gehört, und muss einen "Erörterungstermin" für ein neues Windparkprojekt in seiner Gemeinde besuchen.

Allerdissen sitzt dort unter rund 60 Bürgern. Auf einem Podium haben mehrere Mitarbeiter der Kreisverwaltung Platz genommen, daneben der Windkraft-Projektierer mit seinen Anwälten und Gutachtern. Sie sind etwa 20.
Die Veranstaltung hat kaum begonnen, da droht der Windkraft-Unternehmer bereits eine Klage gegen die Gemeinde und damit die Entmachtung des Bürgermeisters an.

Allerdissen hat so etwas schon erwartet. Er ruft zum Podium hinüber, was er oft gesagt hat in letzter Zeit. Seine Gemeinde habe genug für die Energiewende getan. Er wolle keine Windkraftanlagen mehr. Die 42, die es schon gibt, produzierten weit mehr Strom als vor Ort gebraucht werde. "Wenn alle Gemeinden so große Flächen zur Verfügung gestellt hätten wie Borchen, hätten wir die Energiewende längst geschafft!", ruft Allerdissen und erntet Applaus. "Die Gemeinde stellt auf den bloßen Zuruf von Investoren nicht sofort einen neuen Flächennutzungsplan auf."

Allerdissen ahnt, dass das Recht jetzt noch auf seiner Seite ist, ihm das womöglich aber bald nicht mehr viel nutzen wird. Denn er hat es hier mit Johannes Lackmann zu tun, einem Ökostrom-Pionier, der mit allen Wassern gewaschen ist. Lackmann war mal Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energien in Berlin, heute ist er Geschäftsführer der WestfalenWind GmbH. Seine Firma ist auf der Paderborner Hochfläche so etwas wie der Marktführer. Und die verfassungsrechtlich garantierte Planungshoheit der Kommunen ist nichts, wodurch sich einer wie Lackmann so einfach stoppen ließe. Er hat den Bau weiterer 17 Anlagen in der Gemeinde Borchen beantragt. Er will sie außerhalb der genehmigten Windkraft-Konzentrationszonen aufstellen lassen. Das heißt: Sie sollen näher an die Wohngebäude heranrücken und natürlich auch höher werden, als die Gemeinde es erlaubt. Lackmann plant, als würde ein Flächennutzungsplan überhaupt nicht existieren.
"Warum machen Sie das? Warum missachten Sie die Gemeindeplanung?", fragt Tschischke.
"Gier, die reine Gier", zischt jemand.

Lackmann lächelt. Hatte der Kreis Paderborn nicht das Ziel formuliert, sich bis 2020 selbst mit Energie zu versorgen? Dafür reichten halt die einst festgelegten Flächen nicht mehr. Inzwischen, Lackmann klingt noch freundlich, gebe es ja neue Energiewendeziele und neue Technologien. Sein Bauantrag gebe der Gemeinde "die Gelegenheit, ihre Planungen anzupassen".
Doch wenn die Gemeinde das nicht wolle, sagt Lackmann, dann ziehe er eben vor Gericht.

Allerdissen weiß, was das bedeutet. Es ist gut möglich, dass er verliert. Und dann gilt nur noch ein Gesetz: Paragraf 35 Baugesetzbuch. Darin steht, Windkraftprojekte müssten bevorzugt behandelt werden. Und das heißt, dass Lackmann egal sein kann, was Bürgermeister Allerdissen will und was die Flächennutzungspläne vorsehen. Denn wenn Paragraf 35 ins Spiel kommt, ist nicht mehr Allerdissen zuständig, sondern die Kreisverwaltung in Paderborn. Und die ist nach dem Windkraftprivileg des Baugesetzbuches verpflichtet, Lackmanns Bauwünsche praktisch ohne Abstriche zu genehmigen.

Die kommunale Selbstverwaltung ist eines der ersten Opfer der deutschen Energiewende. Denn es findet ein ungleicher Kampf statt. Auf der einen Seite stehen die Bürgermeister der Gemeinden mit vielleicht einer Handvoll Mitarbeiter. Auf der anderen Seite stehen konzernähnliche Unternehmen, die Stäbe von Anwälten beschäftigen. Sie haben es nicht sonderlich schwer, den Kommunen irgendwelche formalen Irrtümer oder Abwägungsfehler nachzuweisen.

Das deutsche Baurecht ist ein Dickicht aus Vorschriften, Verordnungen, Paragrafen, nur das Steuerrecht ist ähnlich kompliziert. Eine kleine Schlamperei, eine unbedachte oder unsaubere Formulierung – und schon ist die Planung mehrerer Jahre futsch. Bürgermeister Allerdissen muss nur in die Nachbargemeinde schauen.

In Büren haben die Stadtplaner einen folgenschweren Fehler gemacht. Sie haben die Vorrangflächen für Windkraft im Stadtgebiet nur Pi mal Daumen ausgewiesen. Mal haben sie Lage und Umfang der Windkraftzonen mit den strengen Immissionsschutzregeln eingehegt, mal gönnten sie den Anwohnern einen nur vage festgelegten Abstand bis zur nächsten Windkraftanlage. Das Oberverwaltungsgericht Münster kassierte die Pläne deshalb. Der Flächennutzungsplan der Gemeinde, so befanden die Richter, dürfe nicht zur "Verhinderungsplanung" gegen die Windkraft missbraucht werden. Seither können die Windkraftfirmen in Büren nach Belieben drauflosbauen. Die Gemeinde hat nichts mehr zu sagen. Und der Bürgermeister weiß nun nicht mehr, wie er seine Stadt entwickeln soll. Neue Wohngebiete? Kaum machbar, sagt ein Sprecher der Stadt. Ein Ortsteil im Süden der Stadt, eigentlich perfekt, sei wegen der dort sofort hingestellten Windparks nicht mehr zu gebrauchen. Eine andere Ecke, "potenziell hervorragendes Gebiet für eine Wohnbebauung", sei durch Windräder praktisch halbiert worden.
Das Bürener Urteil ist einer der Gründe, warum bundesweit viele Kommunen und Landkreise den Windfirmen üppig Flächen zuweisen, in vorauseilendem Gehorsam. Sie wollen sich bloß keine Klage einhandeln. Denn auch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts besagt, dass kommunale Planung der Windkraft "substanziell Raum" zu geben habe. Was das genau bedeutet, ist eine Frage der Auslegung. Aber Bürgermeister Allerdissen hat schon oft erlebt, dass sich die Windbarone mit ihrer Sicht der Dinge vor Behörden und Gerichten durchsetzen.

Das beginnt schon damit, dass die Windkraftinvestoren alle Gutachten selbst finanzieren. Das heißt, sie bestimmen mit, was als Lärmbelästigung, was als Landschaftsbeeinträchtigung gilt und welche Vogelarten womöglich von einem Windpark bedroht wären. Das erklärt, warum mancher Vogelgutachter angeblich nie die bedrohten Rotmilane oder Schwarzstörche gesehen hat, an denen sich die Anwohner eben noch Tag für Tag erfreut haben. Der Rechtsanwalt Rudolf Wansleben, ein ehemaliger Landrat des Kreises, sieht darin eines der großen Probleme. "Die Windkraftbetreiber haben alle Gutachter unter Vertrag." Jeder, der etwas genauer hingucken und etwa größere Mindestabstände einfordern würde, wäre bald arbeitslos, glaubt Wansleben. Er selbst habe einmal versucht, einen Gegengutachter zu finden, um die Angaben eines Windkraftinvestors zu überprüfen. Vergeblich.

So kam es, dass Borchens Nachbarstadt Bad Wünnenberg mit nur 12.000 Einwohnern den Windunternehmern Grundstücke mit insgesamt 15,7 Millionen Quadratmetern zu Bebauung überließ. Auf einer Fläche, die 2207 Fußballfeldern entspricht, lässt der kleine Kneipp- und Luftkurort nun die Windindustrie gewähren. Doch die Investoren ziehen inzwischen selbst gegen diesen Flächennutzungsplan vor Gericht. Sie wollen noch mehr Windenergieanlagen im Stadtgebiet.
Übermacht. Unersättlichkeit. Versprechen, die nicht eingetreten sind. All das erklärt, warum im ganzen Land der Widerstand gegen die Energiewende anschwillt.

Die Unternehmen werben gern damit, dass ihre Windparks den Gemeinden schöne Steuereinnahmen bescheren. Viele Kommunalpolitiker wollen es nur zu gern glauben. Doch oft kommt das Geld nicht, das sie sich erträumt hatten. Denn die Firmen schreiben ihre Windparks in den ersten acht bis zehn Jahren steuerlich ab, sodass kaum Geld an die Gemeindekasse fließt. Zudem werden Windparks längst wie Kapitalgüter gehandelt. Viele örtliche Projektierer bauen ganze Windparks und verkaufen sie an Großanleger weiter, Versicherungen oder Rentenfonds etwa. Die Gewerbesteuer wird also in München oder Frankfurt fällig, wo die Eigentümer ihren Sitz haben – vor Ort bleibt so nichts mehr hängen.

Das Gewerbesteuerversprechen sei eine "große Mär", sagt Bürgermeister Allerdissen. Bei ihm haben die 40 Windkraftanlagen im vergangenen Jahr 123.175 Euro zum Gemeindehaushalt von insgesamt 4,2 Millionen Euro beigetragen, sagt er. "Das steht in keinem Verhältnis zu dem, was die hier in der Landschaft anrichten."

Lackmanns Firma WestfalenWind wirft ihm "eine gewisse Unehrlichkeit" vor. In der Gemeinde Borchen stünden relativ alte, kleine Windmühlen, sagt ein Sprecher. Da gebe es noch einen Gewerbesteuerfreibetrag, deshalb komme vergleichsweise wenig Geld in der Gemeindekasse an. Er könnte ebenso gut sagen: Wer größere Windräder zulässt, kriegt eben auch mehr Steuern. Der Bürgermeister Allerdissen solle doch "gemeinsam mit den Investoren den Flächennutzungsplan anpassen", sagt der Sprecher.

Allerdissen aber denkt nicht daran. "Es gehört nicht zu meinem Amtseid, den Profitinteressen einiger weniger zu dienen", sagt er.

Es sieht so aus, als stünden sich zwei Seiten unversöhnlich gegenüber. Allerdissen will keine Windräder mehr. Und Lackmanns Firma hat so ihre Methoden, wenn es darum geht, Kritiker zu bearbeiten. Zum Beispiel finanziert WestfalenWind eine Internetseite namens windkraftsatire.de, auf der Kritiker verhöhnt werden. "Skandal: Windräder jetzt auch verantwortlich für kalte Füße und Muffensausen." Menschen, die sich um den Wert ihrer Häuser Sorgen machen, sind dort wahlweise "Querulanten" oder "Energiewende-Blockierer", die auf "aberwitzige" Weise versuchten, "den Erfolg der umweltfreundlichen Windenergie aufzuhalten".

So oder so ähnlich sehen sie in ganz Deutschland aus, die zahllosen Scharmützel und Fehden, die um Windkraftprojekte entbrannt sind.

Im saarländischen Piesbach bei Dillingen zerstörten Unbekannte gerade erst eine Windmessanlage. Der Energiekonzern EnBW wollte damit ein Windparkprojekt vorbereiten. Schaden: 160.000 Euro.

Im nordhessischen Bad Hersfeld verstellten Landwirte die Zufahrt mit Treckern, als die Bagger des Windkraftinvestors anrückten, um im nahen Staatswald Flächen zu roden. Die Bauverzögerung droht für den Investor inzwischen zum Millionengrab zu werden. Die betroffene Gemeinde Friedewald feiert sich als "kleines gallisches Dorf". Es kam den Bürgern und selbst Biobauern seltsam vor, dass das Land Hessen mal eben staatlichen Wald an Windkraftunternehmer verpachtet und dafür etwa 45.000 Euro pro Jahr und Windrad einstreicht. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz und die Ökostrom-Umlage waren schließlich so angelegt, dass die Verbraucher die Milliarden für die Energiewende direkt zahlen, mit ihrer Stromrechnung nämlich. Dass ein Teil des Geldes als Pacht an den Staat fließt, der damit seinen Haushalt saniert, war nicht der Sinn.

Und im deutschen Nordwesten wirkt es manchmal sogar, als sei eine weitgehend rechtsfreie Zone entstanden. Kommunale Flächennutzungspläne, wie sie Bürgermeister Allerdissen in Borchen erstellen lässt, gibt es dort kaum noch. Regionale Raumordnungs- und Landschaftsrahmenpläne werden von der Politik seit Jahren vertagt. Bürgerinitiativen wie "Wattenrat" oder "Weitblick Ostfriesland" glauben, dass die Politik vor der Macht des deutschen Windkraft-Marktführers Enercon kapituliert hat. Enercon, eigentlich Windradhersteller und einer der größten Arbeitgeber der Region, hat sich mit 40 Prozent am neu gegründeten Stadtwerk Aurich beteiligt.Der Landkreis Aurich beteiligt sich selbst finanziell an Windpark-Projekten. Für den Investor ist das überaus praktisch. Er ist damit praktisch Geldgeber, Prüfer und Genehmigungsbehörde in einem.
Das Gesetz schließt eigentlich aus, dass Kommunen Steuergelder einsetzen, um in der Privatwirtschaft Geld zu machen. Es gibt allerdings Ausnahmen. Und von denen machen die Kommunen ausgiebig Gebrauch.

Nach der niedersächsischen Kommunalverfassung dürfen Gemeinden nur dann wirtschaftlich tätig werden, wenn ein "öffentlicher Zweck" dies rechtfertigt und das Unternehmen nach Art und Umfang "in einem angemessenen Verhältnis" zum Bedarf steht. Kommunen wie der Landkreis Aurich erklären ihre Windstrom-Unternehmungen zwar gern damit, dass sie für die Stromversorgung ihrer Bevölkerung zuständig seien. Doch erstens bleibt der Strom gar nicht in der Gegend – er wird über eine Börse europaweit gehandelt. Und zweitens produzieren die Anbieter in vielen Gegenden schon jetzt um ein Vielfaches mehr, als für die lokale Versorgung nötig wäre. Die Frage ist also, was an diesen Geschäften noch öffentlicher Zweck ist und was ein angemessenes Verhältnis?

Der Innenminister Niedersachsens legt seine Kommunalverfassung so aus, dass Kreise und Gemeinden weitgehend selbst entscheiden dürften, was "öffentlicher Zweck" ihrer Investments sei. Der Bund der Steuerzahler kritisiert das scharf: Es sei "unverständlich", warum er "die fadenscheinige Argumentation des Landkreises widerspruchslos hinnimmt".
So oder so ist das Ergebnis, dass im Landkreis Aurich mit seinen 190.000 Einwohnern inzwischen 900 Windräder stehen, fast doppelt so viele wie in ganz Baden-Württemberg.

All diese Fälle erklären, warum sich auf dem Land der Widerstand organisiert und juristisch aufrüstet. In Niedersachsen haben sich gerade mehr als hundert Bürgerinitiativen zusammengeschlossen, mehr als 10.000 Windkraftgegner. Sie verlangen von der Landesregierung Mitsprache. In Mecklenburg-Vorpommern hat sich die erste Partei gegründet, die ein einziges Ziel verfolgt: Gegen Windkraft opponieren. Damit tritt sie bei den Landtagswahlen an. Ihre Protagonisten glauben, dass das Management der Energiewende symptomatisch für die Arroganz politischer Eliten ist. In den Parlamenten begegne man nur "Bevormundung, Ignoranz, Selbstgerechtigkeit", schimpfen die Parteigründer. So verliere die Politik die Bevölkerung, ganze Regionen seien abgekoppelt.

Es ist nicht immer ganz klar, wo es sich noch um Protest gegen die Fehlentwicklungen der Energiewende handelt und wo schon um generelle Staatsverachtung. Allerdings sitzen die, die inzwischen so ihre Probleme mit der Ökorevolution haben, längst auch in den Büros von Abgeordneten und Ministern, die die Energiewende grundsätzlich gutheißen.

Gero Hocker, Anfang 40, sportlich, das schwarze Haar sauber gescheitelt, ist Abgeordneter der FDP im niedersächsischen Landtag. Er sorgte dafür, dass sich der Umweltausschuss kürzlich nach Aurich aufmachte, um die Folgen der Energiewende in der Region einmal in Augenschein zu nehmen. Die Umweltpolitiker aller großen Parteien, so berichtete es die "Nordwest-Zeitung" hinterher, reagierten "geschockt auf den Windradwald in Ostfriesland".

Für immer mehr Windenergie, sagt Hocker, werde vielerorts in Deutschland Recht gebeugt oder umgangen. "Gewählte Volksvertreter nutzen ihr Mandat, um Windkraftprojekten zuzustimmen, an denen sie wiederum selbst beteiligt sind. Umweltverträglichkeitsprüfungen werden nicht angefertigt, obwohl die Landesregierung das für erforderlich hält." Das alles, schimpft Hocker, "findet nicht in einem ,failed state' oder irgendeiner Bananenrepublik statt, sondern im Nordwesten von Niedersachsen, wo wir eigentlich davon ausgegangen sind, dass Rechtstaatlichkeit und Gewaltenteilung funktionieren." Das sind markige Worte, die allerdings in der Praxis nicht so ohne Weiteres zu belegen sind.

Hocker hat darüber hinaus eine Menge Fragen, auf die er bisher keine überzeugende Antworten bekommen hat. Wofür produziert Deutschland all den wetterabhängigen Flatterstrom, wenn es doch nicht genügend Leitungen gibt, ihn dorthin zu bringen, wo er gebraucht wird, und keine Speicher, um ihn einzulagern? Heute gibt es schon 26.000 Windkraftanlagen im dicht besiedelten Deutschland. Wie viele werden es noch, wenn der gesamte Verkehr und alle Heizsysteme mit Ökostrom betrieben werden sollen? 50.000? 80.000? Und wird dadurch auch nur eine einzige Tonne Kohlendioxid vermieden? Denn das europäische Handelssystem für Emissionsrechte bewirkt, dass jede CO2-Einsparung in Deutschland dazu führt, dass ein Nachbarland dafür mehr ausstößt.

Es sind Fragen, die große Wucht entfaltet haben, sie nähren den Protest. Das zeigt Wirkung. Die Bundesregierung hat jetzt das Ökostromgesetz EEG reformiert, um die Kosten zu verringern und die Stromproduktion wieder mit dem Leitungsnetz in Einklang zu bringen. Sie hat außerdem entschieden, in norddeutschen Bundesländern "Netzengpass-Regionen" auszuweisen, in denen die Windkraft übergangsweise nur gebremst ausgebaut werden darf. Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck, ein Grüner, will es in seinem Land plötzlich etwas langsamer angehen lassen mit dem Ausbau der Windenergie. Noch vor ein paar Monaten konnte ihm der Umbau Deutschlands zum Ökostromland nicht schnell genug gehen. "Die Unruhe im Land" ist der Grund, sagt er jetzt. Man könne ja nicht "jedes Windrad mit Polizeihundertschaften schützen".

Doch wenn die Koalition in Berlin ihr großes Ziel, das Gelingen der Energiewende, nicht aus dem Blick verlieren will, bedeutet die Drosselung im Norden, dass dafür eben im Süden der Republik mehr Windparks entstehen müssen. Und es gibt längst erste Beispiele, die zeigen, was das bedeutet.

Singen am Hohentwiel, kurz vor Konstanz am Bodensee. Die Grenze zur Schweiz ist nah, das Panorama der Berge. Und wenn Markus Bihler in den blauen Sommerhimmel blickt, kreist dort meist irgendwo eine Gabelweihe, so nennen sie den Rotmilan in dieser Gegend. Windräder sind in der weiten, sanft hügeligen Landschaft der Hegau nirgendwo zu sehen. Bihler will, dass das auch so bleibt.

Bihler ist eigentlich Unternehmer, mit Kaffeeautomaten zu einigem Wohlstand gekommen. Inzwischen aber hat er manchmal das Gefühl, dass er hauptberuflich Unsinn verhindert. Denn er ist auch Vorsitzender einer örtlichen Bürgerinitiative, und die liegt mit einem halben Dutzend Stadtwerke über Kreuz. Die Stadtwerke wollen die ersten Windräder in die Region bauen.
"Ein Skandal", findet Bihler. Es gibt kaum einen Ort in Deutschland, an dem weniger Wind weht. Baden-Württemberg ist das windschwächste aller Bundesländer und die Hegau gehört zu den windschwächsten Standorten in Baden-Württemberg. Trotzdem verspricht ein Projektierer den Stadtwerken, auf dem Rücken des Kirnberg und bei Verenafohren genug Wind ernten zu können. Sein Name: Bene Müller, seine Firma: die Solarcomplex GmbH.

Eine neue Turbinen-Generation mit extralangen Rotorblättern mache es möglich, sagt Müller. Angeblich können die modernen Windräder noch das laueste Lüftchen in Elektrizität umwandeln.

Bihler vermutet eher, dass Müllers Firma die beteiligten Stadtwerke, Kommunen und Banken mit unseriösen Berechnungen an der Nase herumführt. Die Firma hat die Messungen selbst erstellt, die ihnen das Geschäft sichern sollen. Seine Version der Geschichte geht so: Müllers Firma hat zwar Windstärken gemessen, aber nicht dort, wo sie den Windpark bauen will, sondern einige Kilometer entfernt, wo die Bedingungen günstiger sind. Sie hat die Windströmungen gemessen, aber nicht lang genug. Zudem werbe Solarcomplex damit, dass ein "TÜV-Gutachten" die Profitabilität der Standorte belege. Dabei handele es sich in Wirklichkeit nur um ein eher schlecht abgesichertes Prognosepapier, sagt Bihler. Er fürchtet nur eines: Wenn die Windräder erst einmal stehen, hat der Projektierer Solarcomplex seinen Schnitt gemacht. Die Firma ist dann weg, und die Gemeinden bleiben auf unprofitablen Windrädern sitzen – und die Bürger mit dem Blick auf riesige rotierende Industriebauten.
Solarcomplex-Chef Bene Müller sieht das alles natürlich ganz anders. Er weist Bühlers Vorwürfe zurück. Inzwischen lässt er ihm und seiner Bürgerinitiative bestimmte Behauptungen sogar gerichtlich untersagen. Bihlers Bürgerinitiative prüft ihrerseits, juristisch gegen Müllers Firma vorzugehen.

Und das ist es, was sie am Ende eint, Bürger, Politiker, Windunternehmer und Richter, Gegner und Befürworter. Es ist das, was Volker Tschischke mit dem Bürgermeister Reiner Allerdissen verbindet und auch mit den Unternehmern Johannes Lackmann und Bene Müller. Die Energiewende beschäftigt sie, manchmal mehr, als sie ertragen können. Sie alle sagen, sie wollten das Beste für das Land. Die einen haben viel zu verlieren, die anderen viel zu gewinnen. Aber sie sprechen längst mehr übereinander als miteinander. Die Fronten sind verhärtet. Sieg oder Niederlage, etwas anderes scheint es nicht mehr zu geben.

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Sonntag, 10. Juli 2016

Im Endspurt zum Europameister

Das Sintfeld als Hidden Champion der Windindustrie?

Schon lange ist klar: aus dem von den CDU Spitzen 2013 im Kreis geforderten geogra-phischem Deckel ist ein geographischer Topf geworden, der sich anschickt alle Rekorde zu brechen und nun endgültig überzulaufen. Grund sind die Änderungen im EEG 2016, das für die zukünftige Windenergienutzung Ausschreibungen und Wettbewerb fordert.

Ausgenommen sind die Anlagen, die bis zum 31.12. diesen Jahres noch genehmigt werden. Diese erhalten dann noch die hohe, 20 Jahre durch die Umlage sozialisierte und garantierte Vergütung von zur Zeit noch 8,9 Cent /kWh. Die Bundesnetzagentur erwartet bei den ersten Ausschreibungen 2017 Ergebnisse zwischen 6 und 6,6 Cent. Entsprech-end hoch ist der Druck auf die Kommunen und den Kreis als Genehmigungsbehörde. Der Endspurt hat für alle mehr als spürbar begonnen.

Vorm Endspurt schon rekordverdächtig

Er war schon bei Fertigstellung 2001 das größte Windenergiegebiet Europas, zumindest im Binnenland, der Windpark auf dem Sintfeld südlich von Paderborn.

Das Sintfeld ist als Teil der Paderborner Hochfläche ein Hochplateau im Kreis Paderborn mit Randlagen im Hochsauerlandkreis, NRW, das sich hauptsächlich um die Stadt Bad Wünnenberg ausbreitet. Begrenzt durch das Eggegebirge im Osten und die Berge des Sauerlandes im Süden ist die Hochfläche Teil der deutschen Mittelgebirge. Zudem ist das Sintfeld durch seine Lage am östlichen Rand der westfälischen Bucht und mit seinen durchschnittlichen Höhenlagen von über 300 m ü. NHN eines der windhöffigsten Gebiete in NRW. 100 m über Grund weht der Wind durchaus vergleichbar mit der Situation an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste.
Lage des Sintfeldes auf der Paderbor-
  ner Hochfläche und Blick von Westen
  in Richtung Eggegebirge (Luftbild BI
  Windvernunft)


Diese besondere Lage war auch den Pionieren der Windenergienutzung in OWL bekannt. Bereits 1995 wurden in den einzelnen Windparks Elisenhof und Meerhof die ersten Anlagen mit einer durchschnittlichen Leistung von 750 kW in Betrieb genommen. 2001 waren bereits über 80 Anlagen im Betrieb.

In mittlerweile 7 Windparks zusammengefasst wurden bis 2014 zwischen Bad Wünnenberg (Kreis Paderborn) und Marsberg (Hochsauerlandkreis) 119 Anlagen in Betrieb genommen. Auf der rund 130 km² großen Fläche des Sintfeldes bedeutete das bereits 2014 eine Anlagendichte von 92 Anlagen auf 100 km², damals schon rekordverdächtig, aber es geht noch besser.


Blick von Meerhof, Ortsausgang (Landstraße nach Fürstenberg) auf den 2001 errichteten Windpark Meerhof mit inzwischen ein paar dazu gebauten, weiteren Anlagen und der immer gerne als „Vorbelastung“ bezeichneten Hochspannungsleitungen.


Repowern „auf westfälisch“
Die besondere Lage und dementsprechend hohe Stromerträge ließen die Begehrlichkeiten und damit den Druck auf die Kommunen im Kreis Paderborn wachsen. Gerichtsurteile und Schadensersatzandrohungen führten zu regelrechten Angstplanungen der betroffenen Kommunen, die mit Ausweisung von Vorranggebieten zur Windenergienutzung von über 10 % der gesamten Stadtflächen in Bad Wünnenberg und Lichtenau führten. Aber auch damit geben sich die Windaktivisten nicht zufrieden und legen dagegen Normenkontrollklagen ein.
Da die Kreise Paderborn und Hochsauerland auf ihren Internetseiten in ihren Geoportalen die jeweilige Situation ausschließlich bis an die Kreisgrenzen darstellen, lässt sich nur durch den Blick vom kleinen Hellweg, der Sindfeldhöhenstrasse in Bad Wünnenberg-Helmern, nahe der A 44 in ihrer, das gesamte Ausmaß der massiven Ausweitung der Neubaumaßnahmen erahnen. Bei guter Sicht kann man inzwischen nahezu 600 Wind-energieanlagen im Betrieb bewundern, die sich im Kreis Paderborn und den angrenzenden Gebieten des Hochsauerlandes drehen.
Die anstehenden Änderungen des EEG haben den Baudruck der Investoren und damit auch den Druck auf die Genehmigungsbehörden massiv erhöht. Neben dem Bau von Anlagen der 3-4 MW-Klasse auf den neu ausgewiesenen Konzentrationszonen werden auch bestehenden Windparks repowert, allerdings auf „westfälische Art“.
Kleine Anlagen als Unterholz
Da die meisten alten Anlagen um 2001 herum errichtet worden waren, können die zumeist bereits abgeschriebenen Anlagen noch 5 Jahre die Vorteile des EEG genießen, warum sollten diese dann Platz machen für die neuen, viel größeren Anlagen? Diese können doch mit einer Nabenhöhe von 149,5 m und einer Gesamthöhe von über 220 m einfach darüber gebaut werden.
In den neu erarbeiteten und von den wenigen als unbefangen in den Räten verbliebenen Ratsfrauen und -herren verabschiedeten Nutzungsplänen sind keine Mengen- oder Höhenbegrenzungen festgelegt, den Mut haben nur die Borchener Ratsvertreter mit ihrem SPD-Bürgermeister Allerdissen. So lassen sich nun bei Lichtenau mehrere Windanlagen-wände mit kleinen Gittermastanlagen aus den 90´ern, den 100 m hohen Anlagen aus 2001 und den neuen, großen Anlagen erblicken. Keine Chance für Zugvögel.


Repowern „auf westfälisch“: Der Windpark nördlich von Lichtenau mit alten, kleinen und neuen, großen Anlagen, Blick vom Norden in Richtung Lichtenau im Frühjahr 2016

Das östliche Sintfeld deutscher Champion ?
Mit den Windparks Elisenhof, Meerhof und Gut Wohlbedacht sind auf rund 50 km² zwischen dem Kloster Dahlheim (Lichtenau) im Nordosten und Essentho (Marsberg) im Südosten bereits seit vielen Jahren 71 Anlagen (32 auf der Seite des Kreis PB und 39 auf Seite des HSK) in Betrieb.
Mit der Ausweisung neuer Konzentrationszonen „Nordholz“ (Lichtenau) und „Himmelreich“ (Marsberg) und der Ausweitung der bestehenden Zonen in Elisenhof, Helmern, Körtge, Meerhof und Gut Wohlbedacht kommen einige neue Anlagen (Stand Juni 2016) hinzu:

Elisenhof:                     5 Anlagen im Bau, eine Anlage in Planung (beantragt)

Körtge (Fürstenberg):             2 Anlagen in Planung (beantragt)

Nordholz (Lichtenau-Husen):         16 Anlagen (beantragt)

Helmern (östl. Dahlheimer Str.):         5 Anlagen im Bau, 2 Anlagen Rückbau (geplant)

Eilern (östliche Gemarkungsgrenze):     5 Anlagen im Bau

Gut Wohlbedacht (Fürstenberg):         3 Anlagen in Planung (beantragt),
                        11 weitere im Ersatz der bestehenden (geplant)

Himmelreich (Meerhof-Essentho):         10 Anlagen im Bau

Meerhof:                     3 Anlagen im Bau,
                        26 Anlagen beantragt (nur geringer Rückbau)
130 Anlagen auf 50 km²
Zur Zeit sind in diesem Bereich somit 28 Anlagen im Bau und weitere 59 Anlagen in der Planung bzw. bereits im Genehmigungsverfahren.
89 neue, große Anlagen werden dann rund 30 kleine Anlagen ersetzten, rund 40 kleine Anlagen werden dann mindestens noch weitere 5 Jahre in der „unteren Etage“ weiter betrieben. Damit dürfte der östliche Teil des Sintfeldes eines der oder das am stärksten mit Windanlagen bebaute Gebiet im Binnenland Deutschlands sein.


Blick auf die „andere Seite“: Auszug aus dem Geodatenprotal des HSK – Windpark Meerhof und Himmelreich (Stadt Marsberg, HSK) in direkter Angrenzung an den Kreis Paderborn (Bad Wünnenberg im Westen und Lichtenau im Norden) – Stand Juni 2016  (grün: im Betrieb, Lila: im Bau, rot: beantragt)
Das gesamt Sintfeld mit insgesamt 180 bis 200 Anlagen auf 130 km² oder die Paderborner Hochfläche mit Teilflächen in Lichtenau (Sorratfeld), Büren, Borchen, Salzkotten, Bad Wünnenberg sowie den Flächen bei Marsberg dürften damit den bisherigen, rekordver-dächtigen Wert von 80 Anlagen auf 100 km² locker überschreiten.
Dieses Fass ist schon lange übergelaufen. Vernünftige Energiewende sieht anders aus. Bei uns heißt es nur noch: „Nehmt mit, was ihr noch kriegen könnt...“ - Fragt sich nur, wer sich über diese Meisterschaft freuen kann?Die Investoren? Die Politik? Ich sicherlich nicht!
Hubertus Nolte
01.07.2016
Quellen:
http://www.hochsauerlandkreis.com/buergerservice/bauen_wohnen_kataster/geo_service/open/Windkraftanlagen.php
http://www.kreis-paderborn.de/kreis_paderborn/geoportal/solarkataster/seiten/erneuerbare_energien_des_kreises_paderborn.php
https://de.wikipedia.org/wiki/Sintfeld   -  https://de.wikipedia.org/wiki/Windpark_Sintfeld

Donnerstag, 30. Juni 2016

Egoistische und unersättliche Investoren ..

.. klagen gegen den rechtskräftigen Flächennutzungsplan der Stadt Bad Wünnenberg.
Für das ,,Erneuerbare-Energie-Gesetz" haben die Bewohner in Bad Wünnenberg schon einen überdurchschnittlich hohen Beitrag geleistet. Die geführte Klage gegen den rechtskräftigen Flächennutzungsplan der Stadt Bad Wünnenberg sorgt im Ort erneut für starke Unruhe. Geplante Windkraftanlagen im südwestlichen Oberfeld von Bad Wünnenberg (Richtung Bleiwäsche/Alme) darf es nicht geben. Denn sollte jetzt noch die letzte freie Himmelsrichtung mit Windrädern bebaut werden, so wäre das das Ende für die weitere Wohnbebauung bzw, zukünftige Entwicklung des Kneippheilbades Bad Wünnenberg. Richtung Leiberg und Fürstenberg befinden sich Gewerbebetriebe sowie Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete. Das Sintfeld (Richtung Haaren) ist bereits in überdurchschnittlich hoher Anzahl und zudem viel zu nah zum Ort durch hohe Windräder belastet. Bauliche Entwicklungen in diesen drei Richtungen sind somit nicht mehr möglich. Von den z.Zt. im Oberfeld geplanten Windkrafträdern sind 7 Anlagen zum Bau beantragt. Da Bad Wünnenberg sich baulich nur noch in diese Richtung ausweiten kann, sollte in Absprache mit der Stadt Bad Wünnenberg in diesem Bereich keine Bebauung mit Windrädern erfolgen. Die Windkraftanlagen würden westlich der Wohngebiete ,,Zum Schlankerberg", ,,Mordian-Loer-Weg", ,,Brede 1", und ,,Brede 2" gebaut. sie würden tlw. noch östlich der Straßenabzweigung nach Bleiwäsche errichtet. Was da auf Bad Wünnenberg zukommt, ist für den Ort schädlich und katastrophal. Einen Neubau in Richtung von bestehenden Wíndrädern zu errichten, wird jeden potentiellen Bauinteressenten abschrecken. Wer möchte in einem solchen Gebiet noch wohnen oder sich neu ansiedeln? Wir sind nicht generell gegen Windkraft, sondern dagegen, dass Orte im südlichen Kreis Paderborn durch den Bau von weiteren Windkraftanlagen noch mehr - wie bereits geschehen - belastet werden. Die Menschen benötigen noch Luft zum Atmen. Durch die schon bestehenden Windkraftanlagen in Bad Wünnenberg und Umgebung ist die Lebensqualität bereits stark gemindert. Nicht nur Natur-, Landschafts- und Umweltschutz sondern auch den Schutz der hier lebenden Menschen sollten die von uns gewählten Politiker beachten. ln einer lnformationsveranstaltung in der,,Gaststätte Wilms" mit dem Thema: ,,Zukunftsgestaltung für Bad Wünnenberg" wurde den Anwesenden vom Landrat des Kreises Paderborn, Manfred Müller, ein Foto in Richtung Bleiwäsche / Alme gezeigt. Die Ansicht ist vom bereits mit Windrädern verspargelten Sintfeld aufgenommen. Die Worte des Landrates waren seinerzeit: ,,so schön ist Bad Wünnenberg!" Nach Meinung fast aller Bad Wünnenberger Bürger soll es so auch bleiben, Es kann nicht sein, dass wenige unersättliche und landschaftszerstörende Personen durch den Bau weiterer Windräder in Bad Wünnenberg die Zukunft des Kneippheilbades sowie auch den Ortsfrieden und die Gesundheit einer ganzen Stadt zerstören. Dieser maßlosen Übertreibung von Windkraftanlagen in unserer Stadt muss Einhalt geboten werden. Mit den von der Stadt Bad Wiinnenberg ausgewiesenen Windkonzentrationszonen im Sintfeld wurde der Windkraft mehr als genügend substanzieller Raum gegeben. Bereits durch die Lage des Windpark Leiberg/Haaren wird Bad Wünnenberg am stärksten negativ beeinträchtigt. Bei den beantragten Windrädern im Bad Wünnenberger Oberfeld ist interessanterweise auch ein verantwortlicher Politiker aus einem Nachbarort als lnvestor beteiligt. Was aber sollte man schon erwarten, er sieht die hässlichen Blinklichtanlagen ja nicht aus seiner Wohnlage. Noch betroffener macht es, dass auch Bad Wünnenberger Investoren gegen den Flächennutzungsplan der Stadt klagen. Das für den Zusammenhalt so wichtige innerörtliche Klima scheint ihnen aus egoistischem Selbstnutz völlig egal zu sein. Die verantwortlichen Politiker im Kreis Paderborn sollten alles dafür tun, dass das Oberfeld (Richtung Bleiwäsche / Alme) sowie auch das letzte noch freie Teilstück östlich der B480 frei von Windkraftanlagen bleibt.
Gerhard Hegers, Werner Hesse, Karl Scharfen, Reinhold Borghoff, 33181 Bad Wünnenberg

Samstag, 14. Mai 2016

3. Rotmilan durch WKA in 2016 getötet

Die Funde häufen sich nun. Nachdem mitte April im Windpark beim Gut Wohlbedacht ein halber Rotmilan von einem Paziergänger unterhalb einer Windkraftanlage gefunden wurde hat auch der Wewelsburger Windpark sein Opfer gefunden.


Quer durchtrennter Rotmilankadaver, Fund am 14.04.2016, Windpark Gut Wohlbedacht
Fundort: an der Via regia, direkt zwischen Feldscheune (Gutsverwaltung Graf von Westphalen) und der ersten WEA in der 4`rer – Reihe (Gemarkungsgrenze zwischen Fürstenberg und Essentho)


Im Windpark Wewelsburg hat Bürens Bürgermeister Schwuchow einen toten Rotmilan an den WKA´s (s. Foto) gefunden. Der Vogel befindet sich im GfN-Haus im Gefrieschrank und wird auch dem Zoologischen Institut in Berlin zugesandt und zur Dörr-Liste angemeldet.

Nachtrag: Ebenfalls im April wurde ein zerfetzter Rotmilan im Windpark Eilern in WKA-Nähe von einem Verwandten des Herbramer Försters gefunden. Die genaue Todesursache ist noch nicht bekannt, die Untersuchungen in Berlin laufen.
3 geschützte Großvögel sterben durch Windkraftanlagen.
Diese Fundes sind nur Zufallsfunde, die Dunkelziffer (schon beseitigte oder gefressene Vögel) wird höher sein .

Donnerstag, 7. April 2016

Presseerklärung - Völliges Unverständnis


des Regionalbündnisses Windvernunft Paderborn e.V. & der BI Windvernunft Bad Wünnenberg zu beantragten Errichtung 7 weiterer Windkraftanlagen auf dem Bad Wünnenberger Stadtgebiet (öffentliche Bekanntmachung des Kreises Paderborn - Az. 66.3/2089-13-14, 66.3/574-13-14) vom 05.04.2016

Völliges Unverständnis
Bürgerinitiative und Regionalbündnis Windvernunft wendet sich gegen weitere Anlagen auf dem Sintfeld
Mit dem Beschluss des Rates der Stadt Bad Wünnenberg im Oktober 2014 insgesamt 1.576 ha als Konzentrationszonen für die Nutzung der Windenergie auszuweisen, wurden erstmals in NRW rund 10 % einer gesamten Stadtfläche (161 km²) der Windenergienutzung gewidmet.

Diese riesigen Flächen stehen im absoluten Kontrast zur Wohnbebauung der Stadt und ihrer 7 Ortsteile. Wurde damit der Windenergie ein substantieller Raum von fast 60 % der nach Abzug der hier festgelegten harten und weichen Tabuzonen verbleibenden Fläche (2.673 ha) gegeben, steht den hier lebenden Menschen an Gebäude-, Frei- und Betriebsflächen, sowie an Grün- und Sportflächen mit insgesamt 6,12 km² gerade einmal 3,8 % der gesamten Stadtfläche als eigener substantieller Raum zur Verfügung.
Obwohl der zwischenzeitlich erfolgte massive Ausbau gegen den Willen des vorherigen Stadtrates und weiten Teilen der Bevölkerung erfolgte, hatte man sich in Bad Wünnenberg mit dem inzwischen von der Bez.Reg. Detmold genehmigten Flächennutzungsplan arrangiert. Das Ergebnis wurde von vielen als absolute Obergrenze betrachtet, aber einiges wie das immer noch nicht abgeschaltete Blinklicht verursachen auch weiterhin Ärger.
Auf völliges Unverständnis stößt nun aber bei der Bad Wünnenberg Bürgerinitiative und beim Regionalbündnis Windvernunft Paderborn e.V. die öffentliche Bekanntmachung über die geplante, zusätzliche Errichtung von 7 Windkraftanlagen inmitten des Sintfeldes, außerhalb der neu geschaffenen und genehmigten Konzentrationszonen.
Das Sintfeld als größter und prägendster Bestandteil der Paderborner Hochfläche ist eine
 kulturhistorisch gewachsene große Offenlandschaft, die durch ihre außergewöhnliche Aufgeräumtheit eine weithin freie Sicht ermöglicht. Gab es zwar mit der B 480 und den großen Freileitungen schon eine Vorbelastung dieser besonderen Landschaftsform, so wurde diese durch die Errichtung der bereits bestehenden Windkraftanlagen bereits technisch überformt und somit optisch überbelastet.
Bei Genehmigung der beantragten Anlagen würde das jetzt noch bestehende, etwa 2 km breite Sichtfenster geschlossen und es entsteht ein mehr als 15 km langer Riegel in westöstlicher Ausbreitung. Viele Bewohner der Sintfeldgemeinden werden dieses als optische Bedrängung wahrnehmen, das nächtliche Blinken erhöht diese Belastung zusätzlich.
Hinzu kommt die nicht wahrnehmbare und bislang viel zu wenig erforschte gesundheitliche
Beeinträchtigung durch Infraschall. Diese hohe Belastungen werden nach Auffassung der Bürgerinitiative unweigerlich zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen der betroffenen Bürger führen, die nicht nur zu vermeiden sondern gänzlich auszuschließen sind.
Neben der Beeinträchtigung der hiesigen Bevölkerung stehen dieser geplanten Baumaßnahme auch wichtige Belange des Artenschutzes entgegen. Unterschiedliche Fachleute weisen dieser noch frei gebliebenen Teilfläche aus artenschutzrechtlichen Gründen eine sehr hohe Bedeutung zu.
Neben dem Vorkommen windenergiesensibeler Vogel- und Fledermausarten stellt die verbliebene Offenfläche einen leider schon erheblich reduzierten, aber umso wichtigeren Rastplatz für durchziehende Vogelarten dar. Allein die Erfassung von rund 10.000 Kiebitzen in unterschiedlich großen Trupps unterstreichen die besondere Bedeutung dieser Rastmöglichkeit, ohne zudem auf die Störung des allgemeinen Vogelzuges, wie bei den hier durchziehenden Kranichen in diesem Jahr bereits zu beobachten war,
einzugehen.
Die Bad Wünnenberger Bürgerinitiative und das Regionalbündnis Windvernunft fordert daher die Politik und die Genehmigungsbehörde auf, die Maßnahme in ihrer Gesamtheit abzulehnen.
„Bad Wünnenberg hat bereits mehr als genug für den Ausbau der Windenergie geleistet.
Es ist für viele von uns daher nicht mehr nachvollziehbar, warum hier bisher nicht oder vielleicht zu wenig zum Zuge gekommene Grundbesitzer und Investoren ein gerade mit vielen Schmerzen geschlossenes Fass wieder aufmachen und ihren Eigennutz dem Allgemeinwohl voranstellen“, so der Sprecher der BI´s Hubertus Nolte und ergänzt: „hier sollte die Politik diesem Begehren Einzelner endlich ein Ende zu setzen und vielmehr die Gelegenheit nutzen, die Windenergienutzung für die Menschen in unserer Region endlich verträglicher zu gestalten.“
Die BI und das Regionalbündnis weisen darauf hin, dass die Bürger bis einschließlich 25.04.2016 beim Kreis Paderborn bzw. der Stadt Bad Wünnenberg Einwendungen gegen diese Maßnahme machen können.

Sonntag, 3. April 2016

Das sollte einem zu denken geben

Prof. Michael Elicker, Staatsrechtler
Großwindanlagen:
Die Verbrechen der Saubermänner
Folge 2: Diese verflixte Verschärfung der Korruptionstatbestände …


http://www.deutscherarbeitgeberverband.de/aktuelles/2016/2016_02_15_dav_aktuelles_grosswindanlagen-2.html